Von Stöckern und Bändern

Nun ist es wieder so weit. Es wird wärmer und heller draußen und viele Stubenhocker wagen sich ins Freie. Natürlich nur, wenn die Sonne scheint und die Temperatur sich zuverlässig über 15 Grad eingependelt hat.
Dabei treffen diese Leute auch auf die Hundemenschen, die ganzjährig alle Füße vor die Tür setzen und das bei Wind und Wetter. Die dann stattfindende Begegnung zwischen Drinnen- und Draußenmenschen ist leider nicht immer konfliktfrei.
Nach meiner Beobachtung und Erfahrung dreht es sich um zwei große Themen. Das eine ist vom Wesen her unterhaltsam, das andere oft ärgerlich. Welches wollt Ihr zuerst?

Okay, die WalkerInnen.
Vorweg: ich finde es gut, wenn Menschen Sport treiben und alle dabei die Sportart wählen, die ihnen gefällt. Und jeder Sport ist besser als gar kein Sport (einarmiges Reißen im Biergarten einmal ausgenommen).
Und praktisch an den WalkerInnen ist, dass der Wald im Umkreis von 3 km garantiert wildfrei ist, wenn man sie vorlässt. Die fegen mit ihrem Stockgeschlurre den Wald zuverlässig aus. Den Rest erledigt die lautstark geführte „Er sagt- sie sagt- Ich will ja nix sagen, aber…“-Unterhaltung, die ja schließlich die Bodengeräusche übertönen muss.
Gefährlich ist dabei nur, dass WalkerInnen sich grundsätzlich und rücksichtslos über die ganze Breite des Weges verteilen und die Stöcker bei manch ambitionierten GeherInnen schnell zur Waffe werden können. Gerade für kleinere Hunde entwickeln sich hier bedrohliche Schaschlikspieße. Aber das nur am Rande und als erstes Thema.
Das zweite Thema ist ein Dauerbrenner und oft sehr ärgerlich und ernst.
Es geht um die Leine und den Leinenzwang.

Auch hier Vorweg: schlecht erzogene Hunde, die für sich und ihre Umgebung eine Gefahr darstellen, müssen an die Leine, solange sie sich nicht zu benehmen wissen. Der Hund muss zu jeder Zeit abrufbar und unter Kontrolle sein. Das muss der Mensch mit ihm üben und üben und üben, bis es klappt. Wenn der Hund mit seiner Freiheit nicht umgehen kann, muss er dort, wo die Verlockungen zu groß sind, „an die Hand“, bzw. an die Leine genommen werden.
Aber eben nicht immer und überall.

Dass ein Hund angeleint werden soll, ist in dieser Gesellschaft leider immer öfter die Regel und nicht die Ausnahme. Artgerecht ist das nicht, denn ein Hund, der dauerhaft an der Leine leben muss, kann seinen Bewegungsdrang und sein soziales Kontaktbedürfnis nicht ausleben und erleidet körperliche und psychische Schäden. Das ist nicht erfunden, sondern erwiesen. Die Neurose und das aggressive Verhalten sind dabei vorprogrammiert. Schließlich ist der Hund mit vier Beinen, aber ohne Leine am Hals geboren.

Gerade jetzt, in der sogenannten „Freiluftsaison“ kommt es oft zu Auseinandersetzungen mit Spaziergängern, die man sonst das ganze Jahr über – bei unter 15 Grad Außentemperatur- nicht gesehen hat.
Sie sehen dann die Hunde an, verengen die Augen, bekommen ganz schmale Lippen und ALLES an ihnen drückt Missbilligung aus. Meist schweigen diese Lippenpresser und wir gehen alle unserer Wege.
Anders die aggressiveren Zeitgenossen, die vereinzelt sogar mit dem Fahrrad auf dem Fußweg an uns vorbeipreschen und mir ein „Der Hund gehört an die Leine“ und irgendwas Unverständliches – zubrüllen. Es gibt aber auch die langsamen Spaziergänger, oft auch im Rudel, wo sich einer aus der Runde genötigt fühlt, für Recht und Ordnung jetzt und hier zu sorgen.
Gelegentlich traktieren sie damit einfach nur mein eigenes Revierverhalten  und ich möchte gerne sagen:“ Was quatscht Du mich an!? Wo warst Du, als es in Strömen goss oder der Schnee drei Meter hoch lag?“.
Es ist und bleibt unangemessen gemaßregelt, vor allem wenn Maggie und Lucy jeweils links und rechts bei Fuß an meinem Knie laufen, weil ich sie schon lange zu mir gerufen habe. Und sie sind natürlich sofort gekommen! Das ist so ungerecht wie das Geschimpfe um grundsätzlich liegengelassenen Hundekot, am besten dann, wenn man gerade selber dabei ist, sich mit der Tüte gen Erdboden zu bücken.
Es trifft dann einfach die Falschen.
Ein Teil von mir möchte gerne die Hacken zusammenschlagen, die Hand zum Gruße an die Stirn führen und brüllen: “Meine erste Leine lautet Gehorsam!“
Doch oft reicht die Zeit der Begegnung nicht und mit Ärger im Bauch gehen wir weiter.

Ich kann nicht erwarten, dass die Meckerer uns und unsere Hunde kennen und einschätzen können. Vielleicht würden sie in diesem Fall einfach nur „Guten Tag und guten Weg“ sagen… Wenn ich nach einer solchen Disziplinarrunde zur Ruhe gekommen bin und mein Großhirn sich wieder einschaltet, sehe ich diese Reaktion aber auch als bedrohliches Zeichen der Entfremdung von Mensch und Tier.
Der früher mal „beste Freund des Menschen“, der auch heute noch selbstlos Verschüttete rettet, Vermisste findet, Krebstumore erschnüffelt, Blinde führt oder einfach nur seine/n Menschen liebt und ihn /sie erfreut, ist etwas Fremdes geworden, das man am liebsten wegsperrt, ausgrenzt oder wenigstens irgendwo anbinden sollte.

Liebes Universum,
ich wünsche mir hier ein Umdenken und mehr Gelassenheit, auch verursacht durch lauter gut erzogene Hunde, denn das ist für alle Lebewesen ein Gewinn.
Außerdem wünsche ich mir erklärte kilometerlange (!!) Spaziergehwege für Menschen mit Hund und das Verschwinden von Schildern mit Anleinsymbolen drauf – dafür darfst Du auch alle handtuchgroßen „Auslauf“flächen und steinige Hundestrandstückchen behalten. Auch wünsche ich mir, dass die Mißbilliger einfach mal die Klappe halten, wenn brave Hunde geordnet an ihnen vorübergehen. So, nun ist es raus…

P.S.:
Kaum ist dieser Artikel in die Welt entlassen, war es wieder soweit. Ein Mann kam uns frontal entgegen, zückte seine Nikon und fotografierte uns vier aus drei Meter Entfernung frontal. Auf einem Feldweg mitten im Nirgendwo, die Hunde gingen jeweils an unseren Beinen, auch Fuß genannt, und waren nur mit Halsband bekleidet. Ich fand das mit dem Foto komisch und hatte was von „Recht am eigenen Bild“ im Kopf, da ging es auch schon los mit dem „Hund-anleinen-BlaBla“.  Dabei hatte er soeben selbst eigentlich ein schönes Beweis-Foto von guterzogenen  Hunden mit Frauchen gemacht.

Er wollte das Bild weder zeigen, noch löschen und als ich ihn auch fotografieren wollte, schwieg er plötzlich und ist gegangen. Er hat sich nicht einmal umgedreht, so dass ich nun ein Bild eines Mannes mit Kamera von hinten habe.

Also, gerne hätte ich Euch gezeigt, wie ein ganz normaler Spaziergang aussehen kann, aber ich habe das Bild nicht bekommen.

Stephan K. wies mich darauf hin, dass so ein ungezogenes Verhalten auch ganz einfach daran liegen kann, dass manche Menschen den Anblick von Glück und Zufriedenheit nicht ertragen können und stattdessen gerne ihre schlechte Laune in die Welt tragen.
Er schrieb auf Facebook:“ Es gibt leider jede Menge Hundehasser, die aber auch ansonsten oftmals engstirnig und verbohrt sind und offenbar keine Freude am Leben haben. Leider aber gönnen sie diese anderen Menschen auch nicht. (…)!“

Recht hast Du, Stephan!

P.P.S.:
Das wird unsere nächste Anschaffung. Das Halsband mit Leine gleich dran:

Gibt es z.B. bei dogs4friends. Dann ist der Hund eigentlich immer angeleint…

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