Aus dem Paradies vertrieben

Update 11.2.13: Thors Verfahren wird weiter hinausgezögert, aber er durfte inzwischen in eine Tierpension umziehen, wo er mit Artgenossen leben darf. Heute war sogar RTL vor Ort und hat ihn gefilmt.

Währendessen sorgt ein anderer Fall für Aufregung, nämlich der des Schäferhundes, der auch Thor heißt. Er sollte hingerichtet werden, weil er von einem kleineren Hund in eine Beißerei verwickelt wurde, in der er sich wehrte. Eigentlich war der Fall durch Zahlung eines Bußgeldes erledigt, aber die Polzei stand dann plötzlich doch vor der Tür und holte den Schäferhund ab. Den Abend vor der Hinrichtung hat jedoch ein anderer Polizist, nämlich Lars Bo Lomholt, sich seinen Streifenwagen geschnappt und Thor „entführt“. Er hatte es satt, dass willkürlich gesunde und friedliche Hunde getötet werden.

Hier ist seine auf Facebook veröffentliche Botschaft:

„Liebe Hundebesitzer, Liebe Hundeliebhaber und Tierliebhaber allgemein.
Ich möchte mich gerne bei Euch bedanken für die fantastische Unterstützung von Nah und Fern, die ich nach meiner Handlung erhalten habe. Das erwärmt mein Herz und bestärkt mich, dass ich das richtige getan habe.
Das dänische Hundegesetz, eingeführt im Sommer 2010 aufgrund einiger unglücklicher Vorfälle. In der Ausarbeitungsphase haben die Politiker sich entschieden verschiedene Experten zu befragen. Darunter waren unter anderem Tierärzte, Tierethiker, Verhaltensforscher und Polizisten.
Als das Gesetz fertig war haben alle Experten davor gewarnt, dieses Gesetz einzuführen, da es mangelhaft war und auch das es viele normale Bürger treffen werde.
Es war deutlich zu sehen, dass die Gesetzgebung nicht infolge der Ratschläge der Experten durchgeführt wurde.
Die Politiker haben es unterlassen auf die Experten zu hören und das Gesetz eingesetzt.
2,5 Jahre später gibt es nun sehr viele Menschen, die ihre heißgeliebten Hunde verloren haben.
Es gibt große Probleme mit dem dänischen Hundegesetz. Das eine Problem sind die verbotenen Hunderassen in Dänemark, dass andere die Definition einer „schweren Bissverletzung“.
Ich werde später noch auf die Problematik der Rasseliste eingehen.

Eine ganz natürliche Auseinandersetzung zwischen zwei Hunden kann zum Beispiel fatale Folgen für den Hundebesitzer haben. Ein Hundebiss der eine Behandlung bei einem Tierarzt erfordert um mit nur einem einzigen Stich genäht zu werden, wird als „schwere Bissverletzung“ eingestuft und der „beißende“ Hund muss eingeschläfert werden.
Das Problem ist, dass ein Jurist der Polizei die Entscheidung trifft wann ein Biss als”schwere Bissverletzung” deklariert wird. Wenn dieser Polizeijurist ja sagt und dies machen die Juristen, wenn der andere Hund mit einem Stich genäht werden muss, lassen sie den Hund einschläfern.
Es ist also ein Jurist und nicht etwa ein Tierarzt oder ein Amtsveterinär, der eine”schwere Bissverletzung” definiert.
Die Klagen der Bürger, die aufgrund einer solchen Entscheidung eingereicht werden, werden vom Chef des Juristen behandelt. Es ist also nicht möglich einen Fall vor das Gericht zu bringen oder durch ein Gericht prüfen zu lassen.
Es sind viele hundert Familien die ihren Hund infolge einer solchen Sachlage verloren haben.
Dänemark war immer ein Beispiel für Demokratie und Rechtssicherheit und Gleichheit für alle vor dem Gesetz.
Mit dem neuen Hundegesetz zeigt es sich aber deutlich, dass dies nicht mehr so ist. Es ist die Polizei, die Klagen über die Beschlüsse der Polizei behandelt und man hat keine Möglichkeit den Beschluss der Tötung seines Hundes vor ein Gericht zu bringen.
Der Fall Thor ist wie folgt aufgebaut: Thor ist ein 7 jähriger Schäferhund, der Jette einer 62 Jahre alten Frau gehört. Thor hat viele Jahre als Besuchshund in Pflegeheimen und in Behindertenheimen „gearbeitet“.
Während einem ganz normalen Spaziergang mit Thor wurde dieser von einem kleineren Hund angegriffen und in das Ohr gebissen. Thor hat sich natürlich verteidigt und den kleineren Hund „gebissen“. Aber nicht schlimm, da der Besitzer des kleineren Hundes nicht zum Tierarzt gegangen ist.
Nach einiger Zeit kam es zu einer Infektion der Schramme und der Tierarzt hat eine Drainage gesetzt. Diese wurde mit 2 Nähten befestigt.
Danach wurde Jette bei der Polizei angezeigt, die daraufhin einen Bußgeldbescheid an Jette ausstellte. Auf diesem Bescheid steht, nachdem man bezahlt hat ist der Fall erledigt. Jette hat den Bußgeldbescheid bezahlt und hat nichts mehr von dem Fall gehört….dachte sie.
Nach 2,5 Monaten kamen drei Polizisten zu ihr nach Hause und holten Thor ab um ihn einzuschläfern.
Sie hat selbstverständlich gegen den Beschluss der Polizei geklagt doch die Polizei bestätigte ihren eigenen Beschluss und setzte die Tötung in Kraft…
Und am Tag vor der Einschläferung dachte ich mir, genug ist genug….“
Quelle: https://www.facebook.com/pages/Fair-Dogdk-Deutsch/120140028155621

UPDATE , 7.1.: Thors Hinrichtung wurde abgesagt. Nun wird doch der Richterspruch abgewartet. Und wir beobachten Dänemark und den Umgang mit nahezu 500 000 Hunden (auch alle verdächtig aussehenden Mix-Hunde), die potentiell getötet werden sollen, ganz genau…

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Gerade macht auf Facebook die Nachricht die Runde, dass Thor, ein sogenannter Listenhund am Montag, dem 7. Januar 2013 in Dänemark hingerichtet wird. Er stirbt den Tod durch Giftspritze. Nicht, weil er jemanden angefallen, verletzt, gebissen, nicht mal jemanden umgeschupst hat, sondern einzig und allein deshalb, weil er in das falsche Fell, die falsche Rasse geboren wurde.

Die falsche Rasse…

Mir läuft allein wegen des Satzes ein kalter Schauer über den Rücken. Ausgerechnet Dänemark, das Hundeparadies. Ausgerechnet Dänemark, das weltoffene kleine Land.  Das war einmal. Mit Tieren sind die nicht zimperlich. Mit Schweinen nicht, mit Hunden auch nicht.

Tasso schreibt:“Seit dem 1. Juli 2010 ist die Haltung, Zucht und Einfuhr von 13 Hunderassen, die als „gefährlich“ eingestuft werden, in Dänemark verboten, wenn sie nach dem 17. März 2010 angeschafft wurden. Diese Regelung gilt auch für Touristen, die mit einem Hund der verbotenen Rassen nach Dänemark einreisen wollen“.  Man kommt vielleicht mit dem Hund hinein nach Dänemark, aber nicht unbedingt mit Hund wieder hinaus. Tasso warnt ausdrücklich vor Reisen nach Dänemark.

Und wenn man nun denkt, dass man auf der „sicheren Seite“ steht, wenn man keinen dieser Hunde (oder deren Kreuzungen) hat, dann stimmt das auch nicht, denn in Dänemark ist der Wilde Westen per Gesetz eingeführt worden. Wenn ein Hund fremdes Grundstück betritt, dann kann der Grundstückseigentümer den Hund erschiessen.

Tasso dazu: „Das Feld- und Weggesetz von 1872 (mark- og vejloven) erlaubt es dänischen Grundstückseigentümern, also Privatpersonen, „streunende“ Hunde und Katzen auf ihrem Grundstück zu erschießen. Als Legitimation hierfür ist es ausreichend, wenn der Besitzer des Tieres innerhalb des vorangegangenen Jahres im Voraus gewarnt wurde. Ist der Tierhalter unbekannt genügt eine Warnung in der lokalen Presse mit einer kurzen Beschreibung des Tieres. Besonders Jäger und Landwirte sind jetzt bestrebt, diesem feudalherrschaftlich anmutenden Gesetz Geltung zu verschaffen, z. T. mit pauschalen Anzeigen in der örtlichen Presse, in denen einige von ihnen darauf hinweisen, dass sie alle freilaufenden Hunde auf ihren Grundstücken erschießen werden. Die ersten Fälle von erschossenen Hunden und Katzen gab es bereits. “

Wir haben letztes Jahr schon gebucht für dieses Jahr. Aber kann man das machen? Das Paradies ist abgeschafft und die Rasselisten bestimmen den Umgang mit Hunden. Im Umgang mit Thor, der am Montag eingeschläfert werden soll, wird sogar der Rechtsweg umgangen, denn der Fall geht eigentlich vor Gericht, d.h. es besteht ein laufendes Verfahren. Die Polizei hat bereits verlauten lassen, dass sie sich darum nicht schert und Thor töten wird.

Woher kommt mir so ein Vorgehen nur so bekannt vor? Rasse, Tod, Ermordung?

Die offizielle Pressemitteilung des Tierschutzvereines in Dänemark zitiere ich ganz:

„Offizielle Pressemitteilung des betreuenden Vereins in Dänemark:
Pressemitteilung bzgl. Thor – Fairdog.dk
Die dänische Polizei hat Thor zum Tode verurteilt.
Trotz drei Gegengutachten unabhängiger Sachkundiger im Hundewesen hat die Polizei beschlossen Thor als Listenhund einzustufen. Der Beamte der Polizei hat keinerlei Ausbildung oder Fachwissen in Bezug auf Hunde. Wir haben die dänische Polizei gebeten Thor am Leben zu lassen, solange die Klage vor dem dänischen Gericht geführt wird, doch davon wollte die Polizei nichts wissen.
Ganz im Gegenteil, sie hat entschieden Beweismaterial (in diesem Fall Thor selbst) zu vernichten, obwohl sie wissen, das der Fall vor dem Gericht verhandelt werden soll.
Wie kann man so etwas nur tun wenn es sich um ein lebendiges Wesen, einen Hund handelt?
Wieso kann ein „möglicherweise“ ist Thor ein Listenhund genug sein um ihn zu töten?
Wieso darf eine nicht ausgebildete Person eine Bewertung abgeben, die für diesen Fall zu Grunde gelegt wird, in einem Fall der die Tötung eines guten, jungen, gesunden und gut erzogenen Familienhundes betrifft?
Wohin gehen wir in Dänemark, was passiert mit unserem Rechtssystem, befindet sich Dänemark auf dem Weg zu einem Polizeistaat?
Offener Brief an Mette Gjerskov, Fødevareministerin, Dänemark, min@fvm.dk
Liebe Mette Gjerskov, dies ist ein Präzedenzfall, so dass es in aller Interesse ist Thor am Leben zu lassen und ihn in einer Pension unterzubringen in der er ein hundegerechtes Leben hat, bis der Fall am Gericht behandelt wird.
Dänemarks Ruf hat bereits einen schweren Schlag in der Welt erlitten, weil das Hundegesetz so vielen unschuldigen Hunden das Leben gekostet hat – alle Augen sind jetzt auf Dänemark und Thor gerichtet und im Namen der Gerechtigkeit, muss Thor Leben dürfen!
Wir von Fairdog.dk haben angeboten und stehen dazu, das wir Thor an einen Ort verbringen dürfen an dem es ihm gut geht, an dem alle tierschutzrechtlichen relevanten Bestimmungen eingehalten werden, an dem wir regelmäßig alle möglichen Verhaltensänderungen evaluieren können, auf unsere Kosten! Es gibt keinen Grund ihn zu töten!
Charlotte Fabis A.
Vorstand Fairdog.dk
Übersetzung: Sabine Gradischnig“

Ich unterstütze die dänischen TierschützerInnen und mache das hier bekannt. Ich will, dass Dänemark die unglaublich hundefeindlichen Gesetzen wieder einkassiert. In so einem Land kann kein Hundebesitzer mit ruhigem Gewissen Urlaub machen. Und wenn sich daran nichts ändert, dann müssen wir den Urlaub stornieren. Wenn Argumente nicht helfen, dann der Blick ins leere Tourismusportemonnaie der leerstehenden Ferienhäuser…Wenn sich hier nichts ändert, wird bald durch die Siedlungen an Nord-und Ostsee Steppenläufer wehen,…wenn schon Wilder Westen, dann auch wie in diesen Filmen aus verlassenen Goldgräberstädten

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