Der sechste Sinn

Freitag, 5:15h, Maggie steht auf und läuft unruhig umher. Ein Blick auf die Uhr und ein deutliches „Maggie, Ruhe jetzt, hinlegen“, beendet die Aktion.
6:15h, Maggie steht wieder auf und läuft wieder hin und her. „Ich geh‘ dann mal mit ihr raus, vielleicht schlägt das neue Futter ja durch“, sprach’s, zog sich an und ging raus. Maggie stramm voraus.
6:20h, Maggie gänzlich ausgekippt, und Frauchen gehen wieder ins Bett.
7:00h, Maggie springt auf, läuft unruhig hin und her, Krallen kratzen klagend über den Holzfußboden, hierhin, dahin,…“Ich geh‘ nochmal mit ihr raus, vielleicht geht es ihr ja nicht gut?“
Draussen ist alles in Ordnung, keine weiteren Vorkommnisse.
7:10h, eben lag Maggie noch, jetzt läuft sie wieder herum. Legt sich in die hinterste Ecke, drückt sich ganz an die Wand. Steht wieder auf, krabbelt unter das Bett, sucht den kleinsten Platz, dreht sich dort, legt sich hin, steht wieder auf.
Nun sind wir ernsthaft besorgt. Man hat ja soviel gehört über den sechsten Sinn der Tiere, die Unheil spüren, bevor der Mensch es tut. Also betrachten wir ganz genau den Wasserstand in der Selterflasche: läßt sich daran ein Erdbeben ablesen? Jetzt der Blick zum Horizont. Hat die Ostsee sich zurückgezogen und sammelt Kraft, um als Riesenwelle zurück zu kommen? Versteckt Maggie sich davor?
Wasserflasche okay und die alte Tante Ostsee liegt wie immer träge in ihrem Bett. Dann die Frage an Maggie, die uns anstarrt und mit telepathischer Wucht diese Frage in unser Sprachzentrum  schiebt: „Hast du Hunger?“
Wedeln, Augen noch weiter auf, mit einem Satz am Napf.
Wir füllen eine ordentliche Portion hinein, Frischfleich mit Bio-Dosenfutter garniert und…kaum hingestellt, schon aufgefressen. In Areso-Inhalations-Geschwindigkeit. War das die Maggie, die letzte Woche noch an ihrem Futter herumgemäkelt hat? Bei der wir uns überlegen mussten, wie wir überhaupt irgendetwas Essbares in diesen Hund hineinbekommen sollten? Ja, das war genau dieselbe.
Zufrieden rollt sie sich anschließend auf ihrem Platz zusammen und sieht in der Körpermitte aus aus wie eine Phyton, die ein Wildschwein verspeist hat. Alles ganz ruhig jetzt.
Die ganze Unruhe, das ganze Hin- und Hergelaufe…Maggie hat sich nur vor ihrem Loch im Bauch versteckt! Sie hatte einen bärigen Whippethunger!
Der sechste Sinn war quälende Magenleere!
Wir haben gelernt: Seeluft macht hungrig und am Strand wetzen erst recht. Maggie hat den Appetit einer Hochleistungssportlerin und verbrennt gerade soviel, dass der Hunger quälend wird.
Frisbee im Sturm am Strand

Tägliches Strandtraining macht nun einmal hungrig:

Du und ich und die Frisbeescheibe

1 Antwort

  1. Hallo, Maike,
    deine Hundegeschichten begeistern mich. Sehr einfühlsam und äußerst witzig. Trifft exakt meinen sense of humour.
    Der Abschied von Areso war sicher sehr schmerzhaft; aber die Hoffnung, dass er noch irgendwie dabei ist, läßt einen den Kummer ertragen. Ich glaube sogar an Reinkarnation. Irgendwann wird er vielleicht in einem anderen Tier wieder bei euch leben. Naja, das ist aber nicht jederfraus Sache…
    Ciao, schreib bitte auch mal was über Miró – seiner Mutter und Schwester geht es gut bei uns.
    Liebe Grüße auch an Kathrin und Jelena,
    Mary

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