Kategorie: Archiv: Alte Hunderunden

  • Auf Wiedersehen- hier ist Schluss

    Auf Wiedersehen- hier ist Schluss

    Viele Jahre lang habe ich hier über unsere Hunde berichtet. Es begann mit dem Tod von unserem Flat Coated Retriever Areso, bzw. sechs Wochen mit dem Einzug von Whippet Maggie, unserem ersten „bisschen Hund“ im Vergleich zum staatlichen Areso.
    Es folgten Lucy, unsere zweite Whippetdame, Suki, der eigenwillige Mix aus Kroatien, Phönix, der scheue Galgo aus Spanien und zuletzt Fiete, unser herausforderndes Überraschungspaket, das sich als Herdenschutzhund entpuppte.
    Ich habe es geliebt (und tue es noch), mit diesen Hunden zu leben, von ihnen zu erzählen und sie zu fotografieren. Unregelmäßig, aber gerne.
    Viel hat sich seitdem verändert. Zu Whippetzeiten hatte ich noch Muße, eine dicke Fotokamera mitzuschleppen. Zeit, um die besten Rennbilder zu schießen. Beide Hände frei, um das überhaupt zu tun.
    Doch spätenstens nach dem Einzug von Fiete brauchte ich beide Hände, um überhaupt den Hund halten zu können, der sich verloren und bedroht in dieser Welt.

    An eine Kamera war nicht mehr denken.
    Im Laufe der Jahre wurde sie ohnehin ganz ersetzt durch die Kamera am Handy. Immer dabei, leicht zu tragen und ausreichend Fotoqualität. Aber auch da ging es kaum weiter mit diesem Blog.

    Nun habe ich mich dazu entschlossen, ihn ganz zu schließen und nicht mehr weiter zu schreiben.

    Es ist auserzählt, die Geschichten fast zu Ende. Fiete (14) und Phönix (13) werden immer älter und klappriger und lange werden sie nicht mehr bei uns sein. Die nächsten Abschiede stehen unmittelbar vor der Tür.

    Wir wissen jetzt schon, dass diese beiden unsere vorerst letzte Hundebegleitung sein werden. Nach 30 Jahren Leben mit Hund sehen wir dem nächsten Lebensabschnitt entgegen. Einem mit sauberen Teppichen, mit Tagen, die nicht in vier oder fünf Stunden Gassi-Takten zerteilt sind, mit Wochenenden, an denen man spontan sagen kann „Ich bin dann mal weg“. Mit Reisen an den Orten, die man nicht mit dem Auto erreichen kann.

    Es war und ist immer ein Gewinn, diese wundervollen Wesen an der Seite zu haben. Und vielleicht wird uns diese bald neue Freiheit auch nicht die Lebensqualität schenken, die wir uns jetzt noch denken. Möglich, dass ich dann auf jeden Hund zurenne und sowohl ihn als auch den Menschen dahinter mit meiner Begeisterung belästigen werde.

    Aber was immer auch passiert: hier ist Schluss, dieser Blog wird nicht weiter geführt.

    Ich lasse ihn noch eine Weile online, die Inhalte bleiben noch eine kleine Weile. Vielleicht tatsächlich solange, bis auch Fiete und Phönix gegangen sind, damit auch ihre Geschichte zuende erzählt werden kann. Wir werden sehen.

    Aber zunächst einmal verabschiede mich und danke für Eure Lesezeit.

    Alles Liebe und Gute für Euch und Eure Hunde!

  • Fiete hält den Spiegel* vor

    Fiete hält den Spiegel* vor

    Heute früh habe ich in Fietes Impfpass nachgesehen, wie alt er eigentlich jetzt ist, bzw. vermutlich sein kann, denn allzugroßes Vertrauen habe ich nicht in einen Pass eines rumänischen Hundes, dessen erster Eintrag just der Tag der Ausreise ist.

    Fiete ist angeblich am 3.3.2009 geboren und damit in Kürze 14 Jahre alt. Sein Fell wird weiß, die Bewegungen steifer, er hat zusehens Mühe, aufzustehen und schläft viel.
    Gleichzeitig springt er immer noch blitzschnell auf, rennt zur Tür und bellt die Welt an als würde er ihr kein Morgen gönnen.

    Wir haben nach wie vor kein „offenes Haus“, was bedeutet, dass Besuch gut geplant sein will, denn Fiete verbringt die Zeit dann mit einem Stück Rinderkopfhaut im Auto. Unsere Türglocke ist mit einem Schild „Bitte nicht klingeln“ überklebt, denn das spart halsbrecherische Stunts des eben noch im Tiefschlaf befindlichen Hundes die Treppe runter und gegen die Glasscheibe.

    Wenn wir spazieren gehen, dann tun wir das immer noch sehr vorausschauend, denn andere Hunde sind immer noch einen Aufreger wert. Doch das ist über die Jahre tatsächlich besser geworden.

    Fiete am Treppenabsatz, seinem Beobachtungsplatz

    Er läuft an sicheren Orten ohne Maulkorb draußen, denn tatsächlich rastet er zumeist nicht mehr schlimmer aus als irgendein anderer Hund aus der Umgebung, der keine Gesellschaft will. Wir haben ihn an der Leine und die Theorie ist , dass ich ihn aus einer aufgeräumten und starken inneren Haltung heraus sicher durch die Welt führen kann. Klingt super.

    Wir sind es ja insgesamt gewohnt, dass man bei einem „Fehlverhalten“ des Hundes allein auf den Hund guckt. Und dass man fortan an der Änderung seines Verhaltens arbeitet, damit er sich wieder einreiht in das Land der Unauffälligkeit. Dafür gibt es zahlreiche Methoden, Erziehungsstile, Hilfsmittel, Leckerchen, Bücher, Hundeschulen,…
    Ich kam darauf, als ich mein Auto mal wieder aus Werkstatt holte: würde ich an der Ölwarnlampe herumdoktoren, damit sie endlich aufhört mit ihrem Alarm? Oder würde ich in die Tiefe gehen, an die Ursache der Störung und zum Beispiel Öl nachfüllen?
    Was hat das mit Fiete zu tun? Oder mit mir?
    Hunde fügen sich maximal in das soziale System ein, in dem sie sich befinden- ob sie es sich nun selbst ausgesucht haben oder ob sie dort hinein-ausgesucht wurden. Sie bringen ihre persönliche Geschichte mit dort hinein und verweben sie mit der, die sie dort vorfinden.

    Es gibt Tage, das fühle ich mich selbst kaum in die Welt zu Hause, was sich unmittelbar auf Fiete auswirkt. Und wenn ich es selbst nicht wahrnehmen kann, dann reicht ein Blick auf Fiete, um zu sehen, wie es mir WIRKLICH geht. Das reicht über „zuviel Kaffee getrunken“ bis hin zu unterschwellig in Aufruhr, wenn auch oberflächlich ruhig. Er ist ein Röntgengerät für Stimmungen, ein Seismograph für Inneres, denn er gewinnt Stärke oder auch Schwäche unmittelbar selbst daraus.
    Fiete vergewissert sich ständig neu, ob der Mensch an seiner Leine ihn sicher durch die Welt bringt oder er das selbst erledigen muss, obwohl er es nicht kann. Er prüft in jeder Sekunde die Qualität seiner menschlichen Führung, denn in seiner Wahrnehmung hängt sein Leben davon ab. Das tut tatsächlich jeder Hund, aber es gibt Unterschiede darin, wie der jeweilige Hund dann darauf reagiert und mit dem Ergebnis umgeht.
    Fiete ist von sirrender Sensibilität- so wie auch jeder Hund- aber er reagiert unmittelbar im Außen darauf, was wiederum nicht jeder Hund so macht. Die meisten gehen einfach ihre Wege, zumeist geräuschlos und ohne besondere Auffälligkeiten.

    Und da wären schon gleich bei einem weiteren interessanten Punkt: mein Blick auf die anderen, aber auch der Blick der anderen auf mich, bzw. uns.
    Maja Nowak fragte mal eine Hundehalterin:“ Würde dieses Problem auch existieren, wenn du mit deinem Hund ganz allein auf der Welt wärst?“

    Und diese antwortete darauf: „Nein, denn dann sieht es ja keiner und mich selbst stört es ja nicht einmal.“

    Es ist also der Blick der anderen auf uns, die Missbilligung der anderen, die Scham darüber, „etwas nicht unter Kontrolle zu haben“, die sich hier Bahn bricht. Das erlebte und erlebe ich mit Fiete früher mehr, jetzt immerhin doch weniger.

    Die Instanz in mir, die mit dem Blick der anderen ein Problem hat, ist ein alter Anteil, der viel Zeit damit verbringt, es allen recht zu machen, alles immer „richtig“ zu machen, nicht aufzufallen, ein braves Kind zu sein, das nicht wieder beschämt werden will.

    Und ein ebenso alter Anteil versucht dann, die mißliche Situation „zu retten“, das Geschehen irgendwie zu bewältigen, aber mit einer Energie, die irgendwo zwischen Wut und Wegrennen wohnt und stets über jedes Ziel hinausschießt. Die ungerecht am Hund herumzerrt, laut wird, hektisch agiert, um dann „mit Sack und Pack“ aus der Szene zu stolpern.

    Das fühlt sich für niemanden gut an. Für den Hund nicht, für mich nicht und für den unfreiwilligen Zeugen womöglich auch nicht. Kurze Zeit später ist der Ausbruch vorüber und dieser alte Anteil wieder in der Versenkung verschwunden. Ein anderer Teil übernimmt dann das Ruder, etwas, was erwachsener ist, tief Luft holt, sich bei dem Hund entschuldigt und über mich selbst den Kopf schüttelt. Dieser Teil fühlt sich eher gesund und ruhig an.

    Ich habe insgesamt die Erfahrung gemacht, dass dieser gesetzte, ruhige, erwachsene Anteil ihm und mir gut tut. Bleibe ich selbst in dieser Energie, atme ich weiter und bleibe allein bei mir und Fiete, dann beruhigt es auch ihn, dann geht er nicht durch seinen ganzen Alptraumfilm, sondern kommt schnell wieder zurück in das Hier und Jetzt.
    Ich weiß das und doch gibt es weiter Momente, in denen auch ich alte Filme abspulen lasse. So wie Fiete.

    Wissen alleine ist hier nichts wert, denn was im Kopf ist, erreicht nicht das Gefühl. Und das Gefühl sagt, hier ist etwas berührt, was in Richtung Not oder gar Lebensgefahr geht. Auch wenn das objektiv nicht stimmt, schlägt es subjektiv durch.

    Ich nehme mir dann für ein nächstes Mal vor, eine Ecke meines Seins in der Beobachtung zu halten, indem ich versuche, meine eigenen Anteile wahrzunehmen und nicht kopf- und gefühllos die Rolle rückwärts zu starten, sondern genau das tue, was ich auch von Fiete erwartet: im Hier und Jetzt aus der Kraft der Ruhe heraus zu handeln. Es ist das Üben eines veränderten Verhaltens und Wahrnehmung von gerade diesem Moment Welt auch für mich selbst, um aus dieser Ruhe heraus einen Schirm über uns spannen.

    Die Beobachterin in mir hat dann alle Hände voll zu tun: Welcher Anteil von mir ist gerade vorne, wer handelt jetzt? Warum? Warum der andere nicht?

    Ich bin keine Meisterin darin, aber immerhin doch eine Lernende.

    Meine Aufgabe ist es insgesamt, Fiete durch diese Menschen-Welt zu helfen. Er ist ein traumatisierter Hund, der bei dem kleinsten Anlass explodieren kann (siehe auch Update zur Rasse). Angriff ist sein gelerntes Verhalten zur Traumabewältigung. Wenn das nicht hilft, kommt die Erstarrung, dann klinkt er sich aus und dissoziiert sichtbar (bei der Tierärztin zum Beispiel- bis sie ihn anfasst, … ). Und damit ist er Lehrer für mich durch Ähnlichkeit, mein Spiegel im Verhalten, denn ich sehe, dass ich es ähnlich handhabe und durch Fiete die Möglichkeit bekomme, das von einer anderen Warte aus genau zu untersuchen, anzufühlen und im besten Falle auch immer öfter aufzulösen.

    Als Kriegsenkel der Boomergeneration gab es viele Gelegenheiten für mich, das eine oder andere Trauma mit ins Gepäck zu bekommen.
    Hätte ich einen Hund, der mich einfach nur trägt, der es mir behaglich und bequem in meiner Komfortzone macht, wäre ich damit nicht auf diese Art konfrontiert worden.
    Dieses Verständnis bedeutet nicht, dass nur ich allein in meiner Entwicklung zu Fietes SoSein beitrage, aber es bedeutet doch, dass auch ich meine Schritte zu gehen habe, damit ich für Fiete „der tragende Hund“ werden kann.
    Es ist ein Prozess, den wir beide in jeweils unserem Tempo gehen.

    UPDATE zu Fiete:

    In einem Facebook-Vermittlungsangebot zu Herdenschutzhunden (Mirjam Cordt) haben wir neulich ein Bild gesehen von einem Hund, dem Fiete sehr sehr ähnlich sah. Tatsächlich dachten wir, dass der abgebildete Hund ein Verwandter von Fiete sein könnte.
    Wir wurden hellhörig, dachten wir doch die letzten Jahre, dass wir einem Schnauzermix bei uns wohnen haben. So wurde er uns von der Tierschutzorga beschrieben.

    Die weitere Recherche und das Lesen des Rasseportraits machten jetzt aber (endlich) deutlich, dass wir eher mit einen rumänischen Schäferhundmix zusammenleben, der im Orginal „Ciobanesc Românesc Mioritic” heißt. Das, was dort stand, beschrieb so vieles, was uns im Zusammenleben mit Fiete immer wieder aufgefallen war, womit wir kämpften und was uns forderte:

    “Der Ciobanesc Românesc Mioritic verkörpert die typischen Eigenschaften eines gelernten, allseitig einsetzbaren und urtümlichen Hirtenhundes. Er hütet mit größter Beflissenheit seine Herde nach Vorgabe des Hirten und zugleich beschützt er sich als selbständiger Wächter.” (Quelle: https://www.zooroyal.de/magazin/hunde/ciobanesc-romanesc-mioritic/)

    Der Ciobanesc Romanesc Mioritic ist ein starker und mutiger Hund, der ursprünglich zur Schafhaltung in den Karpaten verwendet wurde. Er ist sehr effektiv bei der Abwehr von Raubtieren und ein hervorragender Herdenschutzhund. Allerdings kann seine Tendenz, Fremden gegenüber misstrauisch zu sein, in einer dicht besiedelten Umgebung wie Mitteleuropa Probleme verursachen.Daher wird empfohlen, dass er von erfahrenen Hundehaltern gehalten wird und nicht in städtischen Gebieten. Obwohl der Hund laut Standard freundlich Kindern gegenüber sein soll, wird er nicht leicht als Familienhund empfohlen.

    Sein Verhältnis zu seiner Familie und zu anderen Lebewesen fasst dieser Ausschnitt gut zusammen:
    ”Daheim zeigt sich der kräftige Vierbeiner ruhig, ausgeglichen und gemütlich. Er schlummert gerne vor sich hin. Jedoch sollte man sich vor dem stillen Erscheinungsbild nicht täuschen lassen. Ein Mioritic ist immer wachsam und zur Verteidigung bereit – auch im schlummernden Zustand. Seinem Besitzer sowie auch seinem restlichen Familienrudel ist der Hund treu ergeben. Fremden Menschen gegenüber ist er misstrauisch. Auch verträgt er sich mit anderen Hunderassen nicht gut. Seinen inneren Unmut macht ein Mioritic durch tiefes Bellen deutlich. (Quelle: https://www.edogs.de/magazin/hunderassen/mioritic/)

    Wir würden aus Erfahrung noch ein Stück weiter gehen:

    • fremde Menschen haben bei uns nicht zu suchen und Ausnahmen gibt es nicht
    • andere Hunde sind Frühstück, Mittag oder Abendbrot- je nachdem, wie groß der Abstand ist und wann man sie trifft
    • er ist blitzschnell, wenn er eine Aufgabe zu erledigen hat (Igel in der Hecke, Passanten, die aus dem Hauseingang den Gehweg betreten)

    Während Familienhunde (wie Schnauzer) in der Regel darauf ausgelegt sind , mit Menschen zusammenzuleben und zu interagieren, sind Herdenschutzhunde dafür ausgebildet , Schafherden oder andere Tiere selbständig zu schützen und zu bewachen.

    Das sind unterschiedliche Ausprägungen im Wesen des Hundes mit anderen Konsequenzen im Zusammenleben.

    Die Natur des Herdenschutzhundes in Fiete

    Es ist unklar, welche weiteren Anteile anderer Hunde Fiete noch in sich trägt, aber rückblickend lässt sich feststellen, dass er nur jeden Tag seinen Job als Herdenschutzhund erledigt, weil es seine Natur ist. Er hat ein Dauerabo auf den “Mitarbeiter des Monats”, denn er hält uns verlässlich die Welt vom Lappen. Aus Bären sind nun Lieferwagen geworden, jeder Mann (außer Jens mit den Leckerlies) ist ein Wolf, jedes Geräusch (Böller!!!) ein Angriff auf seine Herde.

    Ein paar Umwege hätten wir uns sparen können, wenn uns das vorher klar gewesen wäre. Aber warum die Fachkenntnis einer Tierschutzorganisation hinterfragen?

    In diesem Jahr steht Fiete kurz vor seinem (vermutlich) 14. Geburtstag. Er bekommt ebenso wie Phönix Medikamente, die ihm den Arthroseschmerz erträglich machen. An manchen Tagen kommt er nicht mehr mit auf die längeren Spaziergänge, die auch nur noch 40 min dauern. Seine Augen sind nicht mehr so klar, wie sie mal waren und sein Fell im Gesicht ist nahezu weiß geworden. Er ist alt.

    Unsere gemeinsame Zeit neigt sich dem Ende und ich hoffe sehr, dass wir dieses Mal nicht die Entscheidung treffen müssen, sondern unser kluger Fiete sie für sich selbst treffen wird. Aber bitte noch nicht so bald…


    *Auch wieder großer Dank gebührt Maike Maja Nowak, die grundsätzlich die Impulse für diese Betrachtungsweise in ihrem Onlineseminar „Der Hund als Spiegel“ gab.

  • Lucy sagt Lebwohl (2009-2018)

    Lucy sagt Lebwohl (2009-2018)

    Es ist wieder Oktober und wieder ist mir danach, einen Jahresrückblick zu geben.
    2018 ist ein tragisches Jahr gewesen. Die Bordesholmer Linde ist nach fast 700 Jahren zusammengebrochen. Nur nur Stümpfe sind davon übrig, aber neues Leben bricht sich Bahn am alten Stammrest. Es hat eine Zeit gedauert, aber Bordesholm ist zu dem Schluss gekommen, dass selbst eine Linde unsterblich ist und zieht aus diesen Schösslingen einen neuen Baum.
    Ich weiß, dass Unsterblichkeit auch gilt für alle Seelen, die hier auf Erden eine körperliche Erfahrung machen, ob Mensch oder Tier.

    Dieser Glaube ist dieses Jahr zu meinem Wissen geworden, auf jeden Fall zu einem Trost, denn im Juni, in diesem unglaublichen Jahrhundertsommer mit Sonnenschein, Hitze, kurzen Hosen, Gassigängen am liebsten nur ganz früh oder eben total spät,…in diesem Sommer ist Lucy gestorben.
    Es traf uns absolut überraschend und wir haben es lange nicht glauben können.

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  • Fiete Casper Hauser

    Fiete Casper Hauser

    »Es gibt immer den einen Hund, der einen trägt und dann den, der einen verändert.« (sinngemäß nach Maike Maja Nowak)
    Die ersten sechs Monate mit Fiete liegen hinter uns und erfahrungsgemäß ist diese erste Zeit immer die absolut anstrengendste Zeit mit neuen Hunden. Alles ist neu und fremd für alle im Haus und Vertrauen ist auf beiden Seiten nicht vorhanden. Wenn es doch keimt, genügt gelegentlich ein kleiner Augenblick, eine winzige Bewegung, ein kleiner Anlass und alles liegt wieder in Trümmern.
    Dann gilt es, die Scherben wieder aufzusammeln, sich einen Ruck zu geben und einen anderen Weg zu finden, ein neues Miteinander zu versuchen.
    Fiete kannte gar nichts und hatte vor allem Angst. Seine Strategie gegen Angst ist (oder war) Aggression. Er griff alles an, was sich draußen bewegte. Autos, Fahrräder, andere Menschen, andere Hunde.
    Es hat die ganzen sechs Monate gebraucht, bis es nicht mehr automatisch und immer geschieht. Autos sind zumeist okay, Fahrräder auch, solange der der Mensch darauf uns weder ansieht, noch anspricht, Omas mit Rollatoren sind dagegen nicht okay.

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  • Fiete bellt fern

    Fiete bellt fern

    Der 10. Tag mit Fiete. Er lernt schnell, ist zu Hause ein echter Sonnenschein mit Humor und Tiefe und ein ganz besonderer Hund. Aus dem rohen Diamanten schält sich ganz allmählich ein facettenreiches Juwel.
    Eben geriet das aber ein wenig in den Hintergrund und seine Identität als Wundertüte brach sich Bahn. Dort, wo er seine vorherigen 7 Jahre lebte, gab es nämlich keinen Fernseher- oder kein Walking Deads… Sein neuer Kumpel Phönix begleitet ihn dabei einstimmig mit Kopfstimme:

    https://www.youtube.com/-DttwK4oigo

  • Fiete hat sein eigenes Zuhause

    Fiete hat sein eigenes Zuhause

    Seit dem 28. Mai wohnt Fiete bei uns. Er ist ein 7 Jahre alter Schnauzermix aus Rumänien, den wir als Pflegehund aufgenommen haben.

    Er ist ca. 50 cm hoch und wiegt im Moment wenige 16,7 kg. Sein Fell ist spärlich, was seiner Zeit im Shelter geschuldet ist. Das bekommen wir hin mit der Tierarztpraxis Wirth aus Achterwehr, die alle unsere Tiere bisher sehr gut begleitet haben.
    In den wenigen Tagen, die er jetzt bei uns ist, hat er sich schon rasant entwickelt und entgegen erster Beschreibung zwar als erstmal unsicher, aber keineswegs als ängstlich gezeigt.
    Fiete war sogar nach seiner 48-Stunden-Reise sofort stubenrein und ist es auch noch. Vieles spricht dafür, dass er einmal ein Zuhause gehabt haben muss.

    Er ist eine wirklich coole Socke, mit einer großer Persönlichkeit, die nicht gedrängt werden mag. Er kooperiert, wenn er einen Sinn darin sieht oder Futter im Spiel ist.
    Staubsauerlärm schockt ihn nicht und auch als er beim einem Futtersuchspiel die Gitarre aus ihrer Ecke gegraben hat und sie ihm entgegen fiel, trat er nur kurz zur Seite und suchte dann weiter.
    Nachdem er am zweiten Tag bemerkte, dass unser Haus auch eine zweite Etage hatte, ist er selbstständig die Treppe hochgestiegen. Herunter war ihm zuerst unheimlich, aber jetzt am fünften Tag geht das schon recht flott.

    Man muss ihm Zeit lassen, Dinge anzusehen, damit er sie verarbeiten und einordnen kann. Einfach nicht drängeln, dann zieht er seine eigenen Schlüsse und geht anschließend weiter.

    Er liebt es gestreichelt und behutsam gekämmt zu werden- da steht er mit Genuss vor einem. Gerne nach dem Spaziergang, vor dem Ruheschläfchen und auch sonst schon einmal. Auch das Waschen nach Ankunft (Im Garten mit Shampoo und warmen Wasser)  oder der erste Tierarztbesuch mit Herz abhören, waren kein Problem.

    Sogar Auto fahren mag er (immer noch). Dort hinein haben wir ihn mit Futter und einer Rampe bugsiert, die er problemlos hochgelaufen ist. Das Hochspringen hatte wir noch nicht geübt.

    Fiete weiß genau, was er will und erst recht, was er nicht will.

    Wenn es draußen zu heiß ist, geht er nicht spazieren. Dann wiegt er 2 Tonnen und läßt sich nicht bewegen. Er mag auch nicht über Rasen gehen und nimmt immer die festen Wege. Am liebsten direkt auf der Straße, aber das haben wir mit etwas Übung verbessert bekommen. Man kann durchaus mit ihm reden, was nicht Vollquatschen meint. Eine eigene klare Energie und Präsenz sollte vorhanden sein.

    Seine Entwicklung passiert in Riesenschritten, was auch von seiner inneren Größe zeugt. Bis in die letzte Woche brauchte er das ja nur zum Überleben und nun schält sich hier ganz allmählich ein toller Hund heraus. Fiete zeigt sogar schon Humor und Lebenslust, wenn er auf uns zugetobt kommt im Garten.

    Bei Katzen startet er durch. Darauf hatte er bei einem Spaziergang sofort reagiert, aber auch sofort wieder gestoppt, als sie außer Sicht war. Kluger Hund- er verschwendet keine Energie.

    Was noch nicht so gut klappt, sind durchsichtige Terrassentüren. Glas ist ihm noch fremd, aber wir arbeiten daran. Wir haben eine Serviette drangeklebt.

    Bei fremden Hunde draußen bellt er aufgebracht und stellt sich vorwärtsgerichtet ins Geschirr. Wenn er Vertrauen in seine Menschenführung und den Schutz darin verinnerlicht hat, wird sich das sicher geben. Ich kann mir gut vorstellen, dass er dann in eine Egalhaltung rutscht, weil er eben einfach keine Energien verschwendet.
    Update: 6.6.2016: Fiete lernt so schnell, dass wir kurz davor sind, ihn in „Einstein“ umzubenennen.

    Fiete braucht eine klare und ruhige Führung, die ihm Grenzen setzt und Sicherheit gibt, damit er innerhalb dieser Grenzen auch Freiheiten leben darf.
    Update: Er ist ein toller Hund und wir führen ihn auch durch die nächsten Klippen der Menschenwelt hindurch.

    Fahrräder sind fast okay, Fernseher meistens okay („Walking Dead“ kann ich schließlich auch heimlich gucken), …nur andere Menschen und Hunde sind noch ein Aufreger wert. Mit Geduld, Maulkorb und Zeit werden wir ihn durch seine Draufgeh-Strategie hindurchführen. Da bin ich ganz sicher.

     

  • Maike Maja Nowak: Abenteuer Vertrauen

    Maike Maja Nowak: Abenteuer Vertrauen

    Ich habe eben ein sehr besonderes Buch gelesen und möchte es Euch ans Herz legen. Es heißt „Abenteuer Vertrauen“ und ist das neue Buch von Maike Maja Nowak.
    abenteuer-vertrauen

    Es ist eine wunderbare Mischung aus Autobiographie, Sachbuch und Erzählungen. Maike Maja Nowak erzählt in der Grundgeschichte von ihrem Leithund Raida. Sie berichtet davon, wie sie sich im Tierheim kennen lernten, was das mit ihr und den bereits vorhandenen Hunden machte und wie sie sich alle zusammen Tag für Tag, Ereignis um Ereignis, kennen lernten, sich miteinander vertraut machten und vor allem darum, wie sie sich veränderte, damit der urwüchsige Hund Raida bleiben konnte, wie er ist und wie sie selbst dadurch zu sich fand.
    Es geht dabei NICHT um Techniken und Dressur, es ist kein Hunde-Ratgeberbuch, das man wie ein Kochbuch verwendet, sondern es geht um Anfühlen, Entdecken und Begreifen, wie es in den drei Kapitelüberschriften heißt.
    Dieses Buch geht tief.
    Ganz nebenbei werden wir auch Zeugen von einschneidenden Kindererlebnissen, erfahren etwas aus ihrer Zeit in Lipowka und lernen auch die Liedermacherin kennen, die sie war, bevor sie sich den Hunden widmete.
    Neben der Erzählung zu Raida und anderen Inhalten, lernen wir die Ergebnisse der Studie an Haushunden kennen, die Maike Maja Nowak mit ihren VDU-WegbereiterInnen im letzten Jahr durchgeführt hat, um die Ressourcen der Hunde zu erforschen.
    Das wird in diesem Buch  nachvollziehbar beschrieben und auf der begleitenden Webseite www.vdu-wegbereiter.de in kommentierten Videos gezeigt- also ein interaktives Buch.

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  • In deinem kleinen, großen Herzen

    In deinem kleinen, großen Herzen

    Wenn ich an dich denke, sehe ich dich vor mir laufen, deine Knickohren wackeln dazu im Takt, der kleine Fellhintern fliegt munter den Schritten hinterher und dein ganzer Körper ist eine einzige Liebeserklärung an das Leben, an den Weg vor dir und die Gerüche links und rechts. Alle paar Meter bleibst du stehen, wartest auf mich, läufst weiter, bleibst zurück, kommst wieder hinterher, aber nie bist du weiter als 10-15 m weit weg von mir.

    Körperlich kaum höher als ein großer Kater, passte doch ein Selbstbewusstsein wie das eines Bernhardiners in dich hinein. Wer dir quer kam, wurde verbellt, wer sich ungehörig benahm ebenso. Und diese langhaarigen Affen von Hunden, bei denen man nicht mal das Gesicht sehen konnte vor lauter Zottelfell, da musstest du schon mal geradewegs drauf zu schießen.

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  • Es ist Herbst – Zeit für Abschiede

    Es ist Herbst – Zeit für Abschiede

    Es ist zwar erst Oktober, aber dennoch Zeit für eine Art Jahresrückblick. Denn bevor die Uhr Silvester Mitternacht schlägt, wird sich unser Rudel verkleinert haben.

    Abschied Nummer 1

    Unser Kater Miro macht sich dieser Tage ans Sterben, denn er hat einen Tumor in sich, der auf die Lunge drückt. Der einst untergroße, recht dicke Katermann ist nur noch Fell und Knochen. Im Moment halten wir ihn stabil mit Cortison und Entwässerungstabletten und feiern das Leben. Es ist alles erlaubt, was sonst verboten war. Wir Veganerinnen kaufen Schlagsahne und Leberwurst, sein Futternapf ist voll mit den leckersten Sachen. Und wenn es ihm wieder schlechter gehen sollte, dann endet die Party. Unsere Tierärztin wird kommen, wir werden uns um ihn versammeln, seine ganze Menschen- und Tierfamilie,  und dann begleiten wir ihn in Liebe und Dankbarkeit hinüber.
    Miro selbst weiß ganz genau, dass seine Tage gezählt sind. Er hatte ein „Gespräch“ mit unserer  Tierkommunikatorin Uta Rechlin, der er erst einmal alle seine Lieblingsplätze zeigte, die kleine Quasselstrippe. Die Höhle auf dem Holzstapel im Carport, seine Regentonne mit der hohen Blumentopfstele, in der er gerne sein Nickerchen machte (und so nie die Futteroption verpasste, wenn jemand an ihm vorbei ins Haus gehen wollte) und ein paar Stellen im Garten. Ihr glaubt nicht an  Tierkommunikation? Damit nehmt Ihr Euch eine faszinierende Möglichkeit, mit Euren Tieren zu reden und mehr über Euch und sie zu erfahren.  Man kann es sich vorstellen wie Radiowellen, die man ja auch nicht sieht- und trotzdem kommen „Dinge“ aus dem Lautsprecher. Das hat nichts mit Glauben zu tun, sondern mit Empfangsbereitschaft.

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  • Von Schietbüdeln und anderen Unwägbarkeiten

    Von Schietbüdeln und anderen Unwägbarkeiten

    Zwei Dinge haben Kinder- und Hunde”besitzerInnen” gemeinsam: sie können endlos über ihre Hunde reden und über deren Ausscheidungen.

    KinderbesitzerInnen haben aber den unumstößlichen Vorteil, dass sie den Hinterlassenschaften ihrer Kinder selten hinterher laufen müssen. Sie verbleiben oft an Ort und Stelle, was auch nicht toll ist, aber die hormonelle Ausschüttung bei Elternschaft macht es handhabbar.

    Wir als Hundemenschen müssen dagegen mehr Einsatz zeigen.

    Dafür haben vor allem die Gemeinden uns Tüten gegeben. Manchmal. Manche sogar auch wieder weggenommen, wie in dieser Winter-Hunde-Freilaufsaison am Falckensteiner Strand… Wie blöd ist das denn, sach ma! Und sich dann aufregen, dass es zu Liegenbleibern kommt…

    Auf den Tüten ist manchmal Werbung, oft sinnvollerweise vom Futterhaus, Aber wir kaufen dort nicht, deshalb kann ich sie nicht nach dem Verursacherprinzip drankriegen.

    Drei Tütenqualitäten
    Drei Tütenqualitäten, die rote Brüggetüte ist leider gerade aus…

    Manche sind orange, wieder andere schlicht schwarz und in Brügge sind sie gelegentlich signalrot.

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