Neulich ging ich mal wieder mit den Hunden spazieren- wobei meine neulichs in Wahrheit ca. 3 bis 4 Stunden Abstand zueinander haben- und Klein-Lucy hat es man gerade 100 Whippet-Schritte aus der Haustür geschafft, da krümmte sie sich in ihre durchaus noch grazile Kloposition und hat -wie nennt Ihr das eigentlich?…ich nenne es schlicht- gekackt.

Macht nichts, denn ich bin ja eine konsequente Beutelnutzerin und habe das Häuflein sofort in Gewahrsein genommen, alles fein zugeknotet und den Knoten anschließend locker zwischen Ring-und kleinem -Finger platziert, um es neben der Schlepperleine mit ihren paar Metern Band mitzuwippen. In Bordesholm sind öffentliche Mülleimer nicht sonderlich üppig vorhanden, so dass noch ungefähr 400 m zu überbrücken waren. Auf diesen 400 Metern passieren wir übrigens einen klar definierten Grünstreifen, den Maggie gerne als ihr Klo benutzt. Macht dann Beutel 2, der allerdings in sich noch Beutel 1 aufnimmt, damit das mit dem Knoten zwischen den Fingern noch reibungslos funktioniert.

Wenn man die Hinterlassenschaften eines Hundes übrigens nicht auf diese Art und Weise entsorgt, kann das hier bis zu 500 € Strafe kosten. Bei drei Hunden macht das pro Spaziergang bis zu 1500 €. Das mal drei Gängen also 4500 €. Theoretisch, nicht immer. Mit meiner Beutelkonsequenz spare ich also pro Tag bis zu 4500 €. In dem Augenblick überlegte ich, ob ich vielleicht mit meinem Unternehmen Mehrhundehaltung an die Börse gehen sollte, denn manche Firmen tun das mit viel weniger Businessplan und Firmenfundament…

Noch während ich von dem großen Reichtum träumte, sah ich ein paar Häuser weiter eine schwarze Haushaltsmülltonne auf dem Gehweg stehen. Es war Donnerstag! Müllabfuhr! Gegen 15 Uhr. Mich wundert übrigens immer, wie schnell die Mülltonnen wieder in das sichere Zuhause gezogen werden. Von potentiell 40 Tonnen, die mir auf dem Weg hätten begegnen können, war nur noch eine nicht wieder eingeholt…In dieser Straße wohnen also viele Menschen, deren Zeit und Beobachtungsgabe in einem abgestimmten Verhältnis zueinander stehen. Für die StädterInnen unter Euch: hier stellen wir die Tonnen selbst vor die Tür und holen sie auch wieder rein. Dafür klingelt und poltert dann kein fremder Mann an der Wohnung oder am Haus. Und man spart außerdem noch ein bißchen Geld.

Da stand sie also. Die einsame Tonne. In meiner Hand der Doppelbeutel. Ich hob kurz den Deckel, sah hinein, leer und unglaublich sauber, und- raschel, pockplatsch, umpf- da lag nun der orangefarbene Schietbüddel auf dem Boden der Tonne. Ganz allein.

Wir gingen beschwingt und befreit unseres Weges und tauchten in das vertraute Zwielicht des Waldes ein. Hier bekam ich übrigens wieder Gelegenheit, mich mit dem Thema Hinterlassenschaften auseinanderzusetzen, denn ich musste Suki und Lucy von diversen, riesigen Pferdeäpfeln wegziehen. Ich bin da vielleicht ein bißchen eigen, aber ich will nicht, dass unsere Hunde Pferdekacke fressen, den die heißen nur Äpfel wegen ihrer Größe und nicht weil sie Obst sind… Die sammelt ansonsten übrigens niemand auf.

Auf dem Weg zur ballfressenden Wiese ( die heißt so aus Gründen…) passierten wir einen dicken Baum und da blitzten mir ein paar geknüllte Taschentücher entgegen. Regelrecht drapiert auf,…Hm,…wieder komme ich ins Grübeln. Ein Outdoorklo. Soweit recht öko. Nicht so das Papier. Ein bißchen sieht das auch aus wie „Flagge zeigen“. Menschen tun sowas. Wenn sie fremde Länder, Berge oder Monde betreten. Zack- Flagge rein, markiert, meins. Liebe WaldklonutzerInnen. Das stimmt, das ist wirklich Eueres. Und Ihr dürft es auch behalten oder gleich wieder mitnehmen. Ich habe z.B. immer so Beutel mit, damit ich mein bald börsennotiertes Unternehmen schön beieinander halte. Nur mal so als Appell.

Diese Gedanken durchstreiften also mein Hirn, meanderten die leeren Fluren des Vorsichhintrottens entlang bis wir wieder auf die Mülltonne von vorhin stießen. Ihr Besitzer stand neben ihr, hob den Deckel und …erstarrte. Der Ausdruck auf seinem Gesicht läßt sich nur mit Fassungslosigkeit beschreiben. Immer noch mit dem geöffnetem Deckel blickte er uns entgegen und ich sah, wie ein Verdacht in ihm keimte…Aber wir kommen aus der falschen Richtung, er kann nichts sagen. Und zu fragen traut er sich nicht. Ich grüße ihn als wüsste ich von nichts und wir gehen vorüber. Ich höre noch das Echo des mit Wucht zugeschlagenen Deckels und ein Lächeln bricht sich Bahn in meinem Gesicht“ Ja, ich war das,“ will ich ihm beinahe sagen. „Und ich würde es wieder tun, auch wenn das Deine Tonne ist.“ Denn ich habe Müll aufgesammelt, eine Mülltonne gesehen und die beiden zusammengebracht. Das ist mehr als das, was ich unterwegs gesehen habe…

Dieser Beitrag hat auch aus Gründen dieses Mal, keine Fotos…:-)