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  • Der heilige Wahrheitsgral (2013)

    Der heilige Wahrheitsgral (2013)

    Derzeit tobt ein Shitstorm durch das Internet und es betrifft jemanden, den ich kennen- und schätzen gelernt habe: Maike Maja Nowak. Den Bericht zu dem Trainingswochende in Bordesholm findet Ihr hier.
    Stein des Anstoßes ist der TV-Beitrag von 2013 im ZDF.

    Glaubt man den Kritikern der Elche, dann zischt Maja Nowak die Hunde in Grund und Boden, wirft sich mit ihrem Körper nochmal dagegen und ist überhaupt eine ganz und gar unfähige, gewalttätige, hochstablerische Hundequälerin, die ein Terrornetzwerk anführt. Laut Facebook gehört ihr das Handwerk gelegt. Oder wenigstens ausgebombt. Das ZDF gleich mit, denn die zeigt Maike Maja Nowaks Umgang mit Hunden öffentlich im Fernsehen.
    Es wurde sogar eine Onlinepetition gegen die Ausstrahlung gestartet, die sich wie ein Virus durch das Internet frisst. Einige tausend Unterschriften gibt es schon, denn nichts ist einfacher, als dass jemand dummes Zeug in den Äther brüllt und alle gleich so „Unterschrieben!“ klicken.
    Die meisten laufen eben gerne irgendwo hinterher und im Rudel mobbt es sich eben nun mal am schönsten.
    Hier ist übrigens die Gegenpetition, die doch viel lieber mit einem googlefreundlichen Link unterstütze.

    Die Mutter aller Shitstürme ist immer Missgunst. Und so auch hier. Irgendein Trainer fühlt sich wohl durch Maike Maja Nowak und ihren Erfolg so unter Druck gesetzt, dass er unbedingt die Ausstrahlung der Sendereihe verhindern will.
    Sascha Lobo, ein Internetspezialist mit eigener Kolumne bei Spiegel Online sagt zu Thema Shitstorm:

    „Und die Missgunst ist gleich ganz blind, weil sie aus verkapptem, unterdrücktem Egoismus besteht. Der Shitstorm als Sündenbockspringen, die digitale Fun-Steinigung zu Selbsterhöhungszwecken, der alltägliche Missgunstbeweis für zwischendurch, das ausgehackte Auge des Orkans: Wenn ich schon nicht im Mittelpunkt stehe, dann soll es dort wenigstens scheiße sein“
    (Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-die-geheime-zutat-der-shitstorms-a-849925.html)

    Die Reaktionen im Web sind wirklich heftig und ich staune darüber.
    Da wird geschimpft, verunglimpft, beleidigt und verbal in die allerniedrigste Schublade gegriffen. Aber immer nur, weil man es so gut und friedvoll meint mit den Hunden. Da kann man schon mal gehörig den Kopf seines Gegenübers auf den Tisch hauen (solange der Hund das nicht mit ansehen muss, natürlich).
    Einige der besten Kommentare auf Facebook, bei einer Eva, sind leider alle wieder gelöscht, die Pinnwand gesperrt und nur noch Kommentare von Gleichgesinnten sind dort zu lesen (nein, ich verlinke nicht dorthin…:-). An einen erinnere ich mich aber , ein Pfeil, abgeschossen auf eine engagierte Tierschützerin mit ein paar Pferden und Hunden, die laut Kommentar eher eine mittelalterlich-gewalttätige Domina ist. Und warum? Weil sie Hunde reglementiert und sogar „Nein“ sagt.
    Eva ist übrigens auch Hundetrainerin und verkauft CDs zum Thema. Am besten hat mir auf YouTube das Video gefallen, wo sie eine Menschen-Freundin an der Leine führt und mit ihr ein paar Übungen vormacht…ist auch einfacher. An Hunden, mit diesem ganzen Fell dran, kann man auch gar nichts erkennen…

    Ich habe in diesem Zusammenhang in einer anderen Diskussion frisch gelernt, dass das gesprochene „Nein/Hey…oder sonstwas“ in seiner nahezu traumatisch wirkenden Schädlichkeit gleich nach der Zisch-Laut-Bombe von Maja Nowak kommt.
    Verdammt. Was nun? Ich bin eine Primatin, eine Blabla…müsste aber mindestens die Hälfte meiner Lautäußerungen wegpacken.
    Man „erzieht“ Hunde übrigens nicht, jede Form der Einschränkung ist grundsätzlich abzulehnen, denn sowas tut man nicht unter Freunden.
    Und dann habe ich doch leichtsinnigerweise eingewandt, dass ich trotzdem nicht will, dass Galgo Phönix beim Essen seinen Kopf in mein Essen legt.
    Die Antwort kam prompt: „ Diesem armen Straßenhund willst du jetzt Druck machen, damit er nicht an deinen Teller geht?! Das finde ich grenzwertig. Iss doch so, dass er gar nicht drankommt.
    Ach so,… seitdem esse ich im Stehen AUF dem Tisch. Das sollte helfen.

    Oder ich mache es so, wie eine andere Teilnehmerin der Diskussion vorgeschlagen hat:
    “Wenn mein Hund was Klauen möchte lass ich ihn Sitz machen, (freundlich mit mäuschen mach mal sitz) lass ihn kurz warten und teile mit ihm meinen Teller. Ansonsten bekommt bei uns jeder einen Knochen und ich esse dann so wie man das unter Freuden macht“.
    Alles klar, so geht es auch…werde ich ausprobieren. Und wenn aus einem Galgo dann ein Retriever wird, wir auch unseren letzten sozialen Kontakt aus unserem Leben entlassen und aus mir einen Hungerhaken gemacht haben, dann habe ich wenigstens keinem armen Straßenhund was angetan. Denn „Diese Hunde haben nur Böses gesehen und dann kommen sie hierher und werden nicht im Ruhe gelassen.“

    Damit ich das alles nachlesen kann, wurde mir Lektüre empfohlen. Ein pädagogisches Fachbuch aus dem Jahre 1974. Kaufe ich gleich morgen, um mich in die Expertinnenreihe einzugliedern…

    Überhaupt, die ganzen ExpertInnen, die überall aus dem Boden schießen. Gerade in der Hundeausbildung (ups, darf ich das noch so nennen,…ich gehe gleich mal fragen…) gibt es den heiligen Gral der Wahrheit. Oder eigentlich sogar viele Grale, ein bißchen wie Zellteilung, aber auf jeden Fall findet man die nur bei sich selbst- außer bei mir natürlich-, NIE bei den anderen.
    Oder wie sagt Michael Frey Dodillet zu unserer hoffnungslosen Dummheit?

    „Ja, so sind wir Nichterleuchteten. In Lerntheorie kennen wir uns nicht aus. Wir haben den IQ einer Wolldecke. Sabbernd machen wir, was der Fernseher uns befiehlt. Erst gestern noch traten wir unseren Hunden mächtig in die Seiten und nässten sie literweise ein, weil wir Cesar Millan verehrten und Martin Rütter. Heute nun haben wir eine Folge Maike Maja gesehen und kschten, bis der Tierarzt kommt. Man muss uns stoppen! Notfalls mit Petitionen!“
    (Quelle: „He! Hundetrainerpack!“ http://krawallmaus.blogspot.de/)

    Und zum Abschluss noch das wirklich brutale Splatter-Video von Maike Maja Nowak (Vorsicht! Nichts für schwache Nerven!):
    Suchen und Finden eines Futterbeutels. Da wird doch ganz klar, mit wem man es hier zu tun hat:
    https://www.youtube.com/wWA6eQymRYw

  • Es geht nicht um Liebe, es geht um Rudel…

    Es geht nicht um Liebe, es geht um Rudel…

    Neulich bei Greys Anatomy philosophierte Meredith über den evolutionären Vorteil des Menschen gegenüber anderen Lebensformen (es ist der Daumen), stellte aber gleichzeitig fest, dass unser Primatenerbe, bzw. „die Ursuppe“ noch ein wesentlicher Teil von uns ist. Das stimmt, Beispiele dafür gibt es zuhauf, die Schale der Zivilisation ist sehr dünn und bricht ganz leicht.

    Unser Primatenerbe ist es auch , das zwischen einer erfolgreichen Kommunikation zwischen uns und dem Hund liegt. Wir verlassen uns ganz und gar auf die Sprache und vergessen dabei, dass auch unser Körper spricht, immerzu und jederzeit.
    Und oft wundern wir darüber, dass der Hund nicht das tut, was wir ihm gesagt haben. Das kann das Gegenteil von dem sein, was der Körper spricht, für den Hund immer die verlässlichere Botschaft, denn sein evolutionäres Erbe ist auf das Ablesen ausgerichtet.

    Damit wir mit Maggie die eine oder andere Falle in der Kommunikation nicht zuschnappen lassen, gehen wir nun in die Hundeschule. Denn wir müssen umlernen. Areso war als Retriever einer, der gefallen wollte. Und er war astrein ausgebildet, bevor wir ihn übernahmen (immer noch tausend Dank an Silvia Klüppelberg (Hohenlockstedt) dafür!)- wir mussten diesen Stand nur halten, was Aufgabe genug war, bis es dann ohne weitere Diskussionen gelang.


    Maggie ist ein anderer Hund. Manchmal zweifle ich überhaupt daran, dass es sich um einen Hund handelt und nicht um ein Seepferdchen oder Scratch aus Ice Age- sie sieht manchmal so aus…

    Jetzt fange wir also beinahe von vorne an und haben prompt viel gelernt in der Hundeschule . Das wollen wir auch, denn wir wollen eine Hündin haben, auf die wir uns 100% verlassen können und der wir vertrauen können in jeder Lebenssituationen.  Wir haben natürlich Berge von Hundebüchern gelesen und sind theoretisch fit, aber das Liveerlebnis von neulich hat uns regelrecht die Augen geöffnet.
    Maggie läuft viel hinter uns her in der Wohnung. Und auch im Erstgespräch tat sie das auf der großen Wiese. Mal hinter der einen, mal hinter der anderen. Und auch beim Sitzen auf den Stühlen, legte sie sich auf die Füße von Frauchen 1.
    Das muss kein Zeichen von anhänglicher Liebe sein, wie der mensch geschmeichelt glaubt, sondern bedeutet Kontrolle über die Bewegungen von Frauchen. „Ich kann hier schlafen und gleichzeitig kontrollieren, was Frauchen macht“. Mit dem Anspruch der totalen Kontrolle ist der Hund aber im Dauerstreß. Wird das über Jahre nicht unterbunden, kann das sogar zu organischen Schäden führen (Hunde-Burn-Out sozusagen).

    Jetzt ist unsere Hausaufgabe, öfter mal die Tür hinter uns verschließen. Das übt das Alleinsein, bändigt ihren Kontrollwunsch und macht sie ruhiger. So bekommt sie auch ihren Platz im Rudel zurück.
    Denn über dem soll geschrieben stehen:“Mach Dir keine Sorgen, Deine Menschen passen auf, dass nichts passiert, auch für Dich. Du brauchst daran keinen Gedanken zu verschwenden“.
    Und das hat nichts damit zu tun, dass wir sie zurücksetzen, verstoßen oder aussperren. Auch wenn sich das für uns so anfühlt, manchmal. Doch das Ergebnis ist jetzt schon zu sehen: sie traut uns mehr zu und gibt Führung ab.
    Ach, und was wir u.a. auch noch gelernt haben: Maggie ist sehr schlau! Natürlich sagen das alle über ihre Hunde, aber wir haben damit so nicht gerechnet und konnte zusehen, wie sie versteht und umsetzt.

    Beim Spiel mit der Reizangel wurde ein Futterbeutel als Beute angeboten, den sie jagen und bringen sollte. Nachdem der zweimal um eine Person im Kreis gezogen wurde und sie zweimal im Kreis hinter lief, stellte sich sich das dritte Mal hin und wartete darauf, dass der Futterbeutel wieder an ihr vorbei kam. Sehr ressourcenschonend. Und schlau:-) Das wird noch eine Herausforderung für uns, denn der Trainer meinte, dass in diesen kleinen Kopf locker 100 bis 120 Befehle hineinpassen. Hoffentlich reicht unser Grips dafür:-)