Schlagwort: Erziehung

  • Ein Wochenende mit Maike Maja Nowak

    Ein Wochenende mit Maike Maja Nowak

    UPDATE 2022 zur Arbeit von Maike Maja Nowak:
    Man nannte sie „Die Hundeflüsterin“ in der Serie vom ZDF, doch das war eine Bezeichnung, die Maike Maja Nowak nie selbst gewählt hat. Von außen mag das für manche Menschen tatsächlich auch so gewirkt haben, denn es MUSSTE einfach unhörbare Botschaften zwischen ihr und den Hunden gegeben haben. Warum sonst sollte auch der Hund „plötzlich funktionieren“, wenn sie „Tsch“, „Pff“ oder gar nichts tat?
    Die Lösung hat zwei Seiten: einmal spürt Maja Nowak tatsächlich, auf welcher Ebene und in welcher Art man sich Hunden nähern kann und- was viel wichtiger ist- sie trägt nicht an dem Bündel mit, die sich das jeweilige Mensch-Hund-Gespann auf den Rücken geschnallt hat. Wenn sie also mit den Hunden gearbeitet hat, sah es leicht aus, sie wurde Dolmetscherin und Helferin der Hunde. Und ich habe oft auf dem Hundeplatz die Erleichterung des Hundes sehen dürfen, wenn bei seinem Menschen ein Puzzleteil an den richtigen Platz gerutscht ist. 
    Doch es hat oft nichts dauerhaft an der Ursache geändert, weil der Mensch wieder in den Alltag und sein gewohntes Verhalten rutschte. 

    Deshalb arbeitet Maja Nowak inzwischen seit einigen Jahren mit den Menschen direkt,  geht direkt an die Quelle, denn der Umweg über den Hund ist nicht nachhaltig für die Entwicklung beider Lebewesen.

    In ihren Heilkreisen begleitet sie die Menschen inzwischen darin , den eigenen Tiefen zu begegnen, alte Wunden zu schließen, sich ihrer Anteile bewusst zu werden und auch Traumaanteile aufzulösen. Sie beschreibt das sehr verständlich auf ihrer Webseite unter der Überrschrift „Der Hund als Spiegel unserer Kindheit“.

    Deshalb ist der Artikel über das Wochenende mit Maja Nowak ein eher historisches Dokument und kein Anlass mehr, Hundetrainigs bei Maja Nowak zu buchen. Aber alle anderen sind herzlich eingeladen, die „neue“ Maja Nowak auf ihrem YouTube-Kanal kennen zu lernen.



    Ich habe schon viele Bücher über Hunde gelesen, habe viele Hundeschulstunden absolviert und dachte immer, dass ich über ein großes Hundewissen verfüge.

    Das stimmt auch irgendwie, doch die Augen geöffnet, das habe ich erst an diesem Wochenende im Seminar mit Maike Maja Nowak. Die Bücher sind ja schon großartig, doch was GENAU das in der Umsetzung bedeutet, haben wir erst jetzt wirklich erfahren und erspürt.

    Viele Hunde”erziehungs”methoden gehen ja davon aus, dass der Hund lernen muss, was zu tun ist. Das ist über viele verschiedene Wege zu trainieren. Früher, und manchmal auch noch heute, setzt man auf Gewalt und Stärke (pfui, Mensch!) und schlägt auch schon mal mit Näpfen gegen Hundeköpfe (M. Grewe) . Oder man wirft mit Leckerlies um sich und arbeitet mit positiver Be- und Verstärkung (M. Rütters), bis der Hund vielleicht auch einen Rütters-Waschbärbauch hat. Das hilft ein Stück weit, aber nicht immer und überall. Wenn die Katze den Weg kreuzt, dann nützt auch der Sack Futter nichts, den man in die Startstaubwolke wirft…

    Maike Maja Nowaks Ansatz ist anders und geht zurück zur Quelle, nämlich zum Hund. Sie geht davon aus, dass der Hund alles kann, wenn er aus seinem Geburtstrudel kommt. Und – ich sage das mit meinen eigenen Worten- dass der Mensch nun mit seinen “Erziehungsmethoden” ihm eine Art von “Mißverständiswäsche” angedeihen läßt.  Der Hund legt am Ende sein Wissen über sich und andere zur Seite und versucht, für sich eine Strategie mit uns – oder auch ganz alleine – für sein Leben zu entwickeln. Und so wird man zum Dauergast in der Hundeschule, denn das “Problem” hört einfach nicht auf. Wahrscheinlich, weil man “es” immer noch nicht richtig macht oder aber der Hund in dieser einen Sache so dickköpfig/ charakterlich geprägt/ genetisch prädisponiert ist…

    Allein schon das Thema “an der Leine gehen”! Die Anzahl der Hundemenschen ist Legion, die für einen Weg von 200 Metern 3 Stunden brauchen, weil sie sich mit ihrem Hund wie ein Brummkreisel hauptsächlich drehend um sich selbst bewegen. Und zieht deswegen der Hund weniger oder gar nicht an der Leine….?

    Maja sagt zu diesem Thema: “Kontakt aufnehmen, Bewegungseinschränkung ,  Warngeräusch (was auch immer für eines, Menschen knurren normalerweise sowieso nicht), mit klarer, innerer Energie vorgehen (die Abläufe  sind hier in verkürzte Sequenz dargestellt:-) und so dem Hund erklären, wo die Grenze ist.”

    Was bislang Monate bis ewig dauerte, ist nun ein Thema von wenigen Minuten. Der Hund versteht sehr schnell und handelt dann danach.

    Wie was im Einzelnen “funktioniert”, will ich hier gar nicht minutiös erzählen. Wichtig ist der Gedanke, dass vor allem der Mensch lernt, klar und in hündisch zu kommunizieren, damit der Hund nicht raten muss.

    An dieser Stelle verneige ich mich millionenfach vor den Hunden, die sich ihren Reim auf unser Gezappel und Gerede gemacht haben und unser Miteinander so angenehm gestalten, OBWOHL wir sie “erziehen”.

    Wir haben viel über Hunde gelernt, über das Sozial- und Rudelgefüge und Hundepsychologie, aber eben und vor allem auch viel über uns selbst, die Energien, die wir senden… was wir eigentlich wollen und wie man das anstellt.

    Außerdem wurden wir durch Majas Art des Erzählens, des Vergleichefindens, durch ihre Bildlichkeit bestens unterhalten und geführt. Das war ein Erlebnis!

    Wer jetzt neugierig geworden ist, dem/der seien die Bücher empfohlen.

     

    https://www.youtube.com/PcwUrj8nS0w

  • Von Stöckern und Bändern

    Von Stöckern und Bändern

    Nun ist es wieder so weit. Es wird wärmer und heller draußen und viele Stubenhocker wagen sich ins Freie. Natürlich nur, wenn die Sonne scheint und die Temperatur sich zuverlässig über 15 Grad eingependelt hat.
    Dabei treffen diese Leute auch auf die Hundemenschen, die ganzjährig alle Füße vor die Tür setzen und das bei Wind und Wetter. Die dann stattfindende Begegnung zwischen Drinnen- und Draußenmenschen ist leider nicht immer konfliktfrei.
    Nach meiner Beobachtung und Erfahrung dreht es sich um zwei große Themen. Das eine ist vom Wesen her unterhaltsam, das andere oft ärgerlich. Welches wollt Ihr zuerst?

    Okay, die WalkerInnen.
    Vorweg: ich finde es gut, wenn Menschen Sport treiben und alle dabei die Sportart wählen, die ihnen gefällt. Und jeder Sport ist besser als gar kein Sport (einarmiges Reißen im Biergarten einmal ausgenommen).
    Und praktisch an den WalkerInnen ist, dass der Wald im Umkreis von 3 km garantiert wildfrei ist, wenn man sie vorlässt. Die fegen mit ihrem Stockgeschlurre den Wald zuverlässig aus. Den Rest erledigt die lautstark geführte „Er sagt- sie sagt- Ich will ja nix sagen, aber…“-Unterhaltung, die ja schließlich die Bodengeräusche übertönen muss.
    Gefährlich ist dabei nur, dass WalkerInnen sich grundsätzlich und rücksichtslos über die ganze Breite des Weges verteilen und die Stöcker bei manch ambitionierten GeherInnen schnell zur Waffe werden können. Gerade für kleinere Hunde entwickeln sich hier bedrohliche Schaschlikspieße. Aber das nur am Rande und als erstes Thema.
    Das zweite Thema ist ein Dauerbrenner und oft sehr ärgerlich und ernst.
    Es geht um die Leine und den Leinenzwang.

    Hunde bitte anleinen- oder auch nicht Auch hier Vorweg: schlecht erzogene Hunde, die für sich und ihre Umgebung eine Gefahr darstellen, müssen an die Leine, solange sie sich nicht zu benehmen wissen. Der Hund muss zu jeder Zeit abrufbar und unter Kontrolle sein. Das muss der Mensch mit ihm üben und üben und üben, bis es klappt. Wenn der Hund mit seiner Freiheit nicht umgehen kann, muss er dort, wo die Verlockungen zu groß sind, „an die Hand“, bzw. an die Leine genommen werden.
    Aber eben nicht immer und überall.

    Dass ein Hund angeleint werden soll, ist in dieser Gesellschaft leider immer öfter die Regel und nicht die Ausnahme. Artgerecht ist das nicht, denn ein Hund, der dauerhaft an der Leine leben muss, kann seinen Bewegungsdrang und sein soziales Kontaktbedürfnis nicht ausleben und erleidet körperliche und psychische Schäden. Das ist nicht erfunden, sondern erwiesen. Die Neurose und das aggressive Verhalten sind dabei vorprogrammiert. Schließlich ist der Hund mit vier Beinen, aber ohne Leine am Hals geboren.

    Gerade jetzt, in der sogenannten „Freiluftsaison“ kommt es oft zu Auseinandersetzungen mit Spaziergängern, die man sonst das ganze Jahr über – bei unter 15 Grad Außentemperatur- nicht gesehen hat.
    Sie sehen dann die Hunde an, verengen die Augen, bekommen ganz schmale Lippen und ALLES an ihnen drückt Missbilligung aus. Meist schweigen diese Lippenpresser und wir gehen alle unserer Wege.
    Anders die aggressiveren Zeitgenossen, die vereinzelt sogar mit dem Fahrrad auf dem Fußweg an uns vorbeipreschen und mir ein „Der Hund gehört an die Leine“ und irgendwas Unverständliches – zubrüllen. Es gibt aber auch die langsamen Spaziergänger, oft auch im Rudel, wo sich einer aus der Runde genötigt fühlt, für Recht und Ordnung jetzt und hier zu sorgen.
    Gelegentlich traktieren sie damit einfach nur mein eigenes Revierverhalten  und ich möchte gerne sagen:“ Was quatscht Du mich an!? Wo warst Du, als es in Strömen goss oder der Schnee drei Meter hoch lag?“.
    Es ist und bleibt unangemessen gemaßregelt, vor allem wenn Maggie und Lucy jeweils links und rechts bei Fuß an meinem Knie laufen, weil ich sie schon lange zu mir gerufen habe. Und sie sind natürlich sofort gekommen! Das ist so ungerecht wie das Geschimpfe um grundsätzlich liegengelassenen Hundekot, am besten dann, wenn man gerade selber dabei ist, sich mit der Tüte gen Erdboden zu bücken.
    Es trifft dann einfach die Falschen.
    Ein Teil von mir möchte gerne die Hacken zusammenschlagen, die Hand zum Gruße an die Stirn führen und brüllen: “Meine erste Leine lautet Gehorsam!“
    Doch oft reicht die Zeit der Begegnung nicht und mit Ärger im Bauch gehen wir weiter.

    Ich kann nicht erwarten, dass die Meckerer uns und unsere Hunde kennen und einschätzen können. Vielleicht würden sie in diesem Fall einfach nur „Guten Tag und guten Weg“ sagen… Wenn ich nach einer solchen Disziplinarrunde zur Ruhe gekommen bin und mein Großhirn sich wieder einschaltet, sehe ich diese Reaktion aber auch als bedrohliches Zeichen der Entfremdung von Mensch und Tier.
    Der früher mal „beste Freund des Menschen“, der auch heute noch selbstlos Verschüttete rettet, Vermisste findet, Krebstumore erschnüffelt, Blinde führt oder einfach nur seine/n Menschen liebt und ihn /sie erfreut, ist etwas Fremdes geworden, das man am liebsten wegsperrt, ausgrenzt oder wenigstens irgendwo anbinden sollte.

    Liebes Universum,
    ich wünsche mir hier ein Umdenken und mehr Gelassenheit, auch verursacht durch lauter gut erzogene Hunde, denn das ist für alle Lebewesen ein Gewinn.
    Außerdem wünsche ich mir erklärte kilometerlange (!!) Spaziergehwege für Menschen mit Hund und das Verschwinden von Schildern mit Anleinsymbolen drauf – dafür darfst Du auch alle handtuchgroßen „Auslauf“flächen und steinige Hundestrandstückchen behalten. Auch wünsche ich mir, dass die Mißbilliger einfach mal die Klappe halten, wenn brave Hunde geordnet an ihnen vorübergehen. So, nun ist es raus…

    P.S.:
    Kaum ist dieser Artikel in die Welt entlassen, war es wieder soweit. Ein Mann kam uns frontal entgegen, zückte seine Nikon und fotografierte uns vier aus drei Meter Entfernung frontal. Auf einem Feldweg mitten im Nirgendwo, die Hunde gingen jeweils an unseren Beinen, auch Fuß genannt, und waren nur mit Halsband bekleidet. Ich fand das mit dem Foto komisch und hatte was von „Recht am eigenen Bild“ im Kopf, da ging es auch schon los mit dem „Hund-anleinen-BlaBla“.  Dabei hatte er soeben selbst eigentlich ein schönes Beweis-Foto von guterzogenen  Hunden mit Frauchen gemacht.

    Er wollte das Bild weder zeigen, noch löschen und als ich ihn auch fotografieren wollte, schwieg er plötzlich und ist gegangen. Er hat sich nicht einmal umgedreht, so dass ich nun ein Bild eines Mannes mit Kamera von hinten habe.

    Also, gerne hätte ich Euch gezeigt, wie ein ganz normaler Spaziergang aussehen kann, aber ich habe das Bild nicht bekommen.

    Stephan K. wies mich darauf hin, dass so ein ungezogenes Verhalten auch ganz einfach daran liegen kann, dass manche Menschen den Anblick von Glück und Zufriedenheit nicht ertragen können und stattdessen gerne ihre schlechte Laune in die Welt tragen.
    Er schrieb auf Facebook:“ Es gibt leider jede Menge Hundehasser, die aber auch ansonsten oftmals engstirnig und verbohrt sind und offenbar keine Freude am Leben haben. Leider aber gönnen sie diese anderen Menschen auch nicht. (…)!“

    Recht hast Du, Stephan!

    P.P.S.:
    Das wird unsere nächste Anschaffung. Das Halsband mit Leine gleich dran:

    Gibt es z.B. bei dogs4friends. Dann ist der Hund eigentlich immer angeleint…

  • Links vor rechts

    Links vor rechts

    Bordesholm überrascht und entzückt uns jeden Tag. Neulich waren wir 3 Minuten vor Ladenschluss im Profi-Baumarkt und suchten vergeblich nach Einweck-Marmelade-Gläser. Statt abgespeist zu werden, wurden wir sofort vom Personal umsorgt und von einer zufällig auch anwesenden Mitarbeiterin aus dem Laden von schräg gegenüber (Hinrich Kiel) ebendorthin eskortiert und mit den Gläsern ausgestattet. Sie hätte uns ihren Laden sogar wieder aufgeschlossen, aber der war sogar noch offen, weil ein anderer Kunde dort auch noch mehr Zeit brauchte.

    Aus Kiel sind wir da anderes gewohnt, so etwas wie „Nee, ich hab‘ die Kasse schon fertig und außerdem schließen wir in einer halben Stunde.“ Ich kenne dort auch einen Supermarkt, der die gleiche Botschaft anders transportiert. Draußen hängt ein riesiges Plakat mit den Öffnungszeiten von 8.00 bis 20.00 Uhr und drinnen ist dann das Obst/Gemüse und der Inhalt der Fleischtheke ab 18.00h  längst für den nächsten Tag verstaut.

    In dieser durch und durch freundlichen Umgebung schreitet unsere Hundeerziehung friedlich und geduldig voran. Maggie macht uns manchmal schon richtig Angst mit Ihrer Wohlerzogenheit, aber Lucy verblüfft uns zusehends ebenso.
    Auf einem unserer experimentellen Spaziergänge zur Erlangung von Ortskenntnissen haben wir vor ein paar Tagen das Dosenmoor erkundet. Das ist ein schöner Spaziergang, wenn man mal niemanden sehen oder treffen will. Sehr weitläufig und still.
    Wir waren ins Gespräch vertieft, als plötzlich eine Herde Damwild von links durch das Gebüsch brach. Seltsamerweise hauptsächlich Hirsche.
    Der erste Impuls der Hunde ging natürlich sofort hinterher und wir beeilten uns, die beiden sofort zurück zu rufen. Das „giiiieee“ von Maggie war noch nicht verklungen, da war sie schon wieder bei uns. Lucy dagegen hatte noch nie sooo große und seltsame Hunde gesehen, dass sie erst einmal stehenblieb und dem sich entfernenden Hirschhintern nachstarrte:

    Ihr Hirn, schließlich erst 7 Monate in Gebrauch,  war ganz mit der Verarbeitung dieses Eindrucks beschäftigt und dennoch bohrte  sich der Schall ihres Namens hinein. Sie drehte sich zu uns und setzte sich in Bewegung, obwohl schon der nächste Hirsch von links auf  den Weg lief. Lucy hatte es gehört, drehte sich kurz in Richtung des Geräusches von „etwas Großes bricht sich Bahn durch das Gebüsch“ und kam in einem Affen-nein, Whippetzahn zu uns zurück (Lucy ist der kleine weiß-braune Fleck im Bild unten rechts).

    Hirsch Nummer 2 setzte seinen Weg fort, Lucy ebenso, Maggie klebte währenddessen immer noch an unserem Hosenbein und schon stellte sich Hirsch Nummer 3 an den Weg.
    Die Sprechblase über seinem Kopf könnte lauten: „Was ist denn das für komischer Hund, der vor uns wegläuft?“

    Und wir? Wir waren und sind mächtig stolz auf unsere Whippets!